Zwölf Innovationen, ein Gewinner, viele Impulse
Ein spürbarer Innovationsschub für die Pflegebranche prägte das Innovationsforum auf der diesjährigen 19. Pflegefortbildung des Westens – JHC, das am 11. Juni 2026 in den Kölner Sartory Sälen stattfand. Durch das Programm führten Randolf Mäser, ehemaliger Geschäftsführer der BGW Mainz, und Kongresspräsident Prof. Dr. Volker Großkopf, die mit präzisen Fragen und pointierten Übergängen den roten Faden zwischen den präsentierten Lösungen sichtbar machten.

Insgesamt traten zwölf junge Startup-Unternehmen aus der Healthcare-Branche in den Wettbewerb um den Titel Innovator des Jahres 2026 an. Jedes Unternehmen hatte auf der Bühne in den Kölner Sartory-Sälen exakt zweieinhalb Minuten Zeit, um zu zeigen, wie ihre Entwicklungen die Pflege am Menschen entlasten, Prozesse beschleunigen und die Versorgung sicherer machen können.
Innovationen für den Pflegealltag
In der ersten von drei Gruppen standen Carechamp, CrewLinQ, Hilfsmittel-Held und SocialXplain auf der Bühne des Ostermann-Saales. Im Mittelpunkt ihrer Präsentationen standen die strukturellen Probleme, die den Pflegealltag seit Jahren prägen: hoher administrativer Aufwand, fragmentierte digitale Systeme, Personalmangel und eine stetig steigende Belastung für Pflegekräfte.
Carechamp adressierte mit ihrer Innovation die mangelnde Vernetzung technischer Infrastruktur und versprach durch eine integrierende Plattform weniger Unterbrechungen und mehr Zeit „für das Richtige – für den Menschen“.
CrewLinQ rückte die Dienstplanung in den Fokus und präsentierte eine Echtzeit-Plattform, die Ausfälle abfedert, Wünsche berücksichtigt und Dienstplansicherheit schafft.
Hilfsmittel-Held digitalisiert die komplexe Hilfsmittelversorgung und spart pro Vorgang rund 29 Minuten ein.
SocialXplain entlastet Beratungsstellen durch hochwertige Erklärvideos, die Routinefragen abfangen und Angehörige stärken. Viele Beratungsstellen kämpfen mit repetitiven Routinefragen, die wertvolle Zeit binden. SocialXplain hilft hierbei, grundlegende Themen wie Kurzzeitpflege oder Pflegegrade verständlich vermitteln. Das Ziel: Beratende entlasten, Angehörige befähigen und die Qualität der Informationsvermittlung erhöhen.
Digitalisierung und KI in der Pflege? Kein Problem!
Der zweite Innovationsslot zeigte ein grundlegendes Spannungsfeld der digitalen Pflege: Effizienz durch Sensorik oder Stärkung menschlicher Interaktion durch KI. Vier Anbieter präsentierten Lösungen, die diese beiden gegensätzlichen Philosophien verkörpern – und damit eine Debatte anstießen, die weit über technische Fragen hinausgeht.
Auf der einen Seite standen Cogvis aus Österreich und Momo Medical aus den Niederlanden. Beide setzen auf sensorbasierte Ereigniserkennung, um Stürze, Unruhe oder Inaktivität automatisch zu melden.
Cogvis’ 3D-Infrarotsystem „Cogvis Companion“ arbeitet datenschutzkonform direkt im Zimmer und lässt sich in bestehende Rufanlagen integrieren. Momo Medical wiederum nutzt einen unter der Matratze platzierten Sensor, der Atmung und Bewegungsmuster analysiert und Risiken wie Dekubitus frühzeitig sichtbar macht.
Navel Robotics und PflegeIQ hingegen setzten auf Entlastung durch soziale Robotik und automatisierte Weiterbildung. Hier steht nicht die Reduktion physischer Präsenz im Vordergrund, sondern die Stärkung menschlicher Zuwendung. Der soziale Roboter „Navel“ führt KI-gestützte Gespräche, aktiviert Bewohner und wirkt Einsamkeit entgegen – besonders bei Menschen mit Demenz.
PflegeIQ wiederum automatisiert Pflichtschulungen und administrative Lernprozesse. Die Diskussion im Saal machte deutlich, dass die Wahl zwischen reaktiver Effizienz und proaktiver Menschlichkeit weniger eine technische als eine kulturelle Entscheidung ist.

Von smarten Lautsprechern bis zu Sensorenpflastern
In der letzten Pitchrunde wurde das breite Spektrum digitaler Pflegeinnovationen erneut sichtbar. auditect stellte einen Smart Speaker vor, der Stürze, Hilferufe und Aggressionen anhand von Geräuschen erkennt. Das System soll Pflegekräfte von zeitintensiven Kontrollgängen entlasten und Notfälle schneller sichtbar machen.
SECURUS + Care präsentierte eine zentrale Monitoring-Plattform, die pflegerische, technische und kaufmännische Daten bündelt und Insellösungen überwindet.Mit SENSEING folgte eine Lösung, mit der die manuelle Temperaturdokumentation adressiert wird. Kleine Sensoren erfassen kontinuierlich die Werte in Medikamenten- und Lebensmittelkühlschränken, senden sie in die Cloud und schlagen bei Abweichungen Alarm. Das Mietmodell inklusive Rekalibrierung soll den Aufwand und die Fehlerquellen reduzieren.
Den Abschluss bildete SoreAlert mit einem Sensorpflaster zur Dekubitusprävention. Es überwacht Bewegungsmuster und Gewebezustand kontinuierlich und meldet sich nur bei tatsächlichem Handlungsbedarf.
So sollen Druckgeschwüre verhindert, Dokumentation vereinfacht und die Lebensqualität der Bewohner verbessert werden. In der letzten Runde wurde besonders deutlich, wie digitale Lösungen Routinearbeit reduzieren, Risiken früher erkennen und Pflegekräfte gezielt unterstützen können.
Finale
Mit Spannung erwartete das Publikum die Entscheidung der achten Auflage des Innovationsforums. Gastgeber Großkopf erinnerte an die Premiere 2019, als SuperNurse den ersten Titel gewann und sich seither vom kleinen Familienbetrieb zu einem anerkannten Mittelständler entwickelte. Sein Dank galt auch Care for Innovation e.V., einem branchenübergreifenden Zusammenschluss von jungen innovativen Unternehmen, die das Innovationsforum seit seiner Einführung begleiten.
In diesem Jahr lag CrewLinQ in der Gunst der Teilnehmenden vorn. Das vernetzte Dienstplanmanagement überzeugte mit seinem klaren Nutzen für den Arbeitsalltag und setzte sich in einer äußerst knappen Abstimmung gegen navel robotics durch.
Auch Momo Medical folgte dicht dahinter – ein Zeichen für die hohe Qualität des Teilnehmerfeldes. Mit dem Ausblick auf den Jubiläumskongress am 10. Juni 2027 endete eine Veranstaltung, die erneut zeigte, wie im Innovationsforum Ideen wachsen, Karrieren starten und die Zukunft der Pflege ein Stück konkreter wird.
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